Warum lernen wir in Geschichte nichts über queere Personen?
Kennst du den Kreis? Weisst du wer Marcus Hirschfeld war? Was hat Sigmund Freud mit Queerness zu tun? Und warum haben viele römische Männerstatuen ein Feigen-blatt? Wusstest du, dass es sogar rein schwule Armeen gab und warum ist die Amazone eine Kriegerin?
Queere Geschichte wird wie vieles was nicht cis-heteronormativ ist in unserer Welt unsichtbar gemacht. In den USA könnten wir 2025 sehen wie queere Geschichte ausgelöscht wird. Der Präsident Trump liess alle Hinweise auf trans Personen aus den US-Staatsarchiven, Kulturstätten und Museen löschen. Dabei verdanken wir unsere Pride's und CSD's der Stonewall Bewegung - welche eben nicht nur aus homosexuellen Männern bestand.
Immer wieder kommt es dazu, dass queere Geschichte gelöscht - ausgelöscht wird. Doch wie für jeden Menschen sind auch für uns Queers Vorbilder und Geschichte wichtig. Sie ist wichtig damit sich Menschen und Gesellschaft weiterentwickeln können. Wichtig um sich zu entwickeln, nach etwas zu streben und auch Werte und Normen auszubilden. Also lasst uns loslegen uns euch etwas über queere Geschichte erzählen und vielleicht mögt ihr in den Kommentaren auch die queere Geschichte ergänzen!
Wir freuen uns von euch zu lesen.
Der Kreis
1943 bis 1967 - Zeitschrift
Mit Freund*innen verlegte der Schauspieler Karl Meier (unter dem Pseudonym Rolf) die queere Zeitschrift "Der Kreis". Sie fand auch schnell international Beachtung, da sie in mehrere Sprachen verlegt wurde.
Durch das Abo der Zeitschrift trat man faktisch einem Verein bei, dessen Feste und Veranstaltungen Welt weit queere Menschen (vor allem schwule Männer) nach Zürich lockten.
Mehr zum Der Kreis findest du unter:
https://schwulengeschichte.ch/epochen/uebersicht/uebersicht-bis-1967/der-kreis/
Magnus Hirschfeld
*1868 bis †1935 - Sexualwissenschaftler und Mediziner
Magnus Hirschfeld war ein deutscher Mediziner und Sexualwissenschaftler. Selber war Magnus Hirschfeld schwul.
Dank seiner Arbeit wurde Sexualität zu etwas individuellem - von Person zu Person unterschiedlichen und einzigartigem. Seine Thesen sind bis heute Grundlagen für die Kulturtheorie und Queer-Theory. Ebenso begründete der Sexualwissenschaftler und Zoologe Benedict Friedlaender (*1866 bis †1908) im Jahr 1904 seine Theorie des dritten Geschlechts auf Magnus Hirschfelds arbeiten.
Magnus Hirschfeld ist Gründer des "Magnus Hirschfeld Instituts für Sexualität" (1909 bis 1933) und lebte zuletzt in Frankreich mit seinen Lebenspartnern Karl Giese und Li Shiu Tong.
Mehr zu Magnus Hirschfeld findet du unter:
Das Feigenblatt der römischen Männerstatuen
15. bis 19. Jahrhundert
Antike griechische und römische Männerstatuen tragen häufig ein Feigenblatt dort wo ihr Penis ist. Sicherlich hat du dies auch schonmal in Museen und co gesehen.
Ursprünglich wurden diese Statuen mit sichtbaren Penis gestaltet - der aber für heutige Verhältnisse recht klein wirkt. Zur Grössendarstellung der Pennies gibt es zwei Theorien:
1. Theorie: Penisse konnten nicht anatomisch mit der korrekten Größe aus dem Stein geschlagen beziehungsweise moderiert werden. Der Penis hätte immer gedroht abzubrechen.
2. Theorie: In der Antike waren kleine Genitalien und Penisse beliebter. Damit hätten sich die alten Griechen und Römer von den Barbaren (nicht griechischen bzw. römischen Kulturen) unterscheiden wollen. Sie wollten damit ihre Überlegenheit gegenüber den anderen Staaten und die Gemeinschaften ausstrahlen. Sie wollten als Denker gesehen werden.
Doch zurück zum Feigenblatt: Eine Geschichte (die wir gehört haben) besagt, dass ein Papst irgendwann durchgedreht sein soll und im päpstlichen Palast allen Statuen die Penisse abgeschlagen hat.
Was auf jeden Fall bekannt ist, zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert würden die Statuen mit Feigenblättern versehen. Es ist davon auszugehen, dass die christlich geprägten Gesellschaften immer mehr Scham entwickelten und bezüglich Genitaldarstellungen verklemmter wurden. Nacktheit wurde wieder den wilden, unzivilisierten Menschen zugeschrieben.
Sitefakt: Dies diente auch zur Entmenschlichung der Afrikaner*innen und somit zur Legitimation des Sklavenhandels der Europäer. Doch Afrikaner*innen waren garnicht unbekleidet. Dies ist nur ein Mythos, denn die Sklavenhändler aufbauten.
Übrigens Sexualität zwischen Männern war bei den alten Griechen und den Römern und auch später bei uns in Europa nicht ungewöhnliches . Dies änderte sich erst ab dem 15 Jahrhundert. Da aber deren Gesellschaften auch damals schon patriarchatisch geprägt waren, ist von der weiblichen Sexualität wenig überliefert.
Mehr über die "Feigenblätter und Römische Statuen" findest du unter https://sciencev1.orf.at/news/156029.html
https://www.dw.com/de/warum-antike-statuen-kleine-penisse-haben/a-65135601
Thebens schwule Armee -
die "Heilige Schar"
378 v.Chr. bis 338 v.Chr.
In dieser Zeit war Theben die grösste Stadt von Griechenland und somit der grösste griechische Stadtstaat. Zur Armee der Stadt gehörte ein Herr aus 150 bis 300 schwulen Männer bzw. 75 bis 150 männlichen Liebespaaren - genannt die "Heilige Schar".
Die "Heilige Schar" war die Elitetruppe des Stadtstaats. Der Feldherr Gorgidas, Gründer der "Heiligen Schar", war der Ansicht, dass diese Kämpfer besser kämpfen würden, da sie gemeinsam mit ihrem Partner kämpften. Die "Heilige Schar" war auf dem Schlachtfeld tatsächlich sehr erfolgreich. Doch dies kann auch daran liegen, dass es sich bei der "Heiligen Schar" um die ersten Berufssoldaten handelte, während sie meist auf unerfahren Armeen aus Bauern und Burschen trafen.
Mehr über die "Heilige Schar" findest du unter
Die Krieger*innen der Amazonen
800 v.Chr. bis 30 v. Chr. - Griechische Antike
Die griechische Legende der Amazonen (Reitender Krieger*innen) geht darauf zurück, dass die griechische Antike stark von Patriachat dominiert wurde. Dazu gehörte, dass Frauen zu Haus und Hof gehörten und sich um die Kinder und das gebären kümmern sollte.
Die Griechen überfielen regelmässig ihre Nachbarn. Während jedoch die griechischen Armeen rein männlich waren, waren die Armeen ihrer Nachbarn manchmal gemischgeschlechtlich - sie bestanden aus Männern und Frauen.
Und da die griechischen Männern nicht immer erfolgreich ihre Nachbarn überfallen und plündern konnten, mussten Sagen herhalten um zu erklären, warum der Mann nicht siegen konnte: Also erschufen die antiken Griechen die Sage der Amazonen.
Mehr dazu findest du unter:
https://de.wikipedia.org/wiki/Amazonen
Fehler und Ergänzungen
Du hast noch mehr Wissen zu den fünf Ausschnitten queerer Geschichte? Schreibe sie uns in doch in die Kommentare. Auch auf deine Fragen und Anregungen freuen wir uns.
Wir weisen darauf hin, dass wir keine Historiker*innen sind. Daher haben wir uns für die Zusammenstellung an freizugänglichen Quellen orientiert und die "besten" oder "genausten" euch zum Weiterlesen an die Hand gegeben. Auch hier freuen wir uns auf Quellenergänzungen durch Dich und Euch!
Alles Liebe für Dich und Euch im Queer History Month Februar und drüber hinaus!
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Wolfgang Amadé Mozart war als Junge in einen Jungen verliebt...
Passend zum Queer History Month hat die Queer.de einen Artikel über die Jugend von Wolfgang Amadé Mozart uns seine Verliebtheit zu einem Jungen ins seinem Alter veröffentlicht. Auch ein Teil von queerer Geschichte, der oft unterschlagen wird....
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